E-paper - 08. Mai 2020
Blickpunkt Thurnau

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Man sagt zum Abschied leise „Servus“ –

Bernd Steinhäuser verlässt nach 18 Jahren das Rathaus

Die Folgen der Corona-Pandemie brachten auch den Wechsel und die Übergabe der kommunalpolitischen Ämter aus den Fugen. An gewöhnliche Verabschiedungsveranstaltungen war nicht zu denken. Keine Grußworte, kein Händedruck, keine Umarmungen. Doch besondere Situationen, erfordern auch besondere Maßnahmen: um den nötigen Sicherheitsabstand einhalten zu können, bereiteten die Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft ihrem Chef einen internen Empfang in der Kasendorfer Bauhofhalle, von wo aus Bernd Steinhäuser in den politischen Feierabend entlassen wurde.

Die Blicke der insgesamt 19 Kolleginnen und Kollegen schweiften nach oben, als Bauhofarbeiter Wieland Hollweg den scheidenden Bürgermeister in luftiger Höhe auf einem Frontlader in die Bauhofhalle fuhr. Ob Verwaltungsteam, Reinigungskräfte oder Bauhofkollegen - für alle ein ergreifender Moment, als dabei der Titel „Ciao Amore“ durch die Halle erklang.

Voller Dankbarkeit für die gemeinsamen Arbeitsjahre zeigte sich Verwaltungsleiter Herbert Schmidt und attestierte dem Gemeindeoberhaupt neben dem hohen Einsatz und Engagement für die durchgeführten Maßnahmen und Projekte dabei auch einen ausgezeichneten Führungsstil seiner Mitarbeiter: „Die Fluktuation geht gegen null. Wer einmal bei uns ist, fühlt sich wohl und möchte nicht mehr gehen, was wesentlich auf Deine Art und Weise der guten Zusammenarbeit im Kollegium zurückzuführen ist“. Diesen lobenden Worten konnte sich auch Bürgermeisterkollege Andreas Pöhner aus Wonsees nur anschließen, indem er das überaus gute Miteinander ebenfalls würdigte und auch hervorhob, mit welchem Respekt man in Wonsees die Entwicklung Kasendorf innerhalb der letzten Jahre verfolge.

Gleiches konnte Bernd Steinhäuser allen Anwesenden dabei nur zurückgeben: „Es hat mir auch wirklich immer sehr viel Freude gemacht, für die Gemeinde zu arbeiten; gerade auch weil ich auf eine intakte Mannschaft an meiner Seite zählen konnte“. Dennoch sei er nach wie vor davon überzeugt, den richtigen Zeitpunkt für seinen Rückzug aus dem Rathaus gewählt zu haben. „Wenn man die letzten 18 Jahre Revue passieren lässt, kommt es einem eigentlich gar nicht so lange vor. Genau deshalb führt man sich immer öfter vor Augen, wie schnell doch die Zeit vergeht und dass es neben der Politik noch andere Dinge im Leben gibt“ so Steinhäuser. Er werde es nun ruhiger angehen lassen. Oberster Anspruch gelte jetzt seiner Familie.

Von 1996 bis 2002 bereits den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters innehabend, übernahm Bernd Steinhäuser im Mai 2002 die Amtsgeschäfte seines Vorgängers Hans Eschenbacher. Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Marktgemeinderat konnte Vieles erreicht werden. Ortsbildprägende Maßnahmen, wie beispielswiese die Neugestaltung des Rathausplatzes oder der Kelterei standen anfänglich auf der Agenda; ebenso die Arbeiten zur Rathaussanierung und -erweiterung, mit denen inmitten des Ortskerns ein echtes Schmuckstück geschaffen werden konnte. Mit Straßensanierungen oder dem Bau der Ortsumgehung Welschenkahl wurde die Infrastruktur verbessert, die auch in den jeweiligen Ortsteilen nicht vergessen wurde. Beste Beispiele dafür sind Bau- und Modernisierung der Dorfgemeinschaftshäuser in Peesten oder Welschenkahl. Neben dem Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen bestimmten zuletzt vor allem die Megaprojekte am Marktplatz den Arbeitsalltag. Hier konnten die Weichen bereits wesentlich gestellt und eine Grundlage geschaffen werden, auf der sich zukünftig aufbauen lässt.

Für Kasendorf geht nun eine Ära zu Ende. Nach fast zwei Jahrzehnten durchaus erfolgreicher Kommunalpolitik verlässt Bernd Steinhäuser seinen Rathausposten. Gebührende Abschiedsfeiern in stilvollem Ambiente, mit Laudationen verschiedener politischer Vertreter und Weggefährten sehen zwar anders aus, allerdings spiegelt diese Art der Verabschiedung gerade auch den Charakter des zukünftigen „Altbürgermeisters“ wider: bescheiden, bodenständig und ohne Allüren. Es war ein leises „Ade“ nach 18 Jahren Einsatz und Engagement für Kasendorf, aber ein Abschied, der von Herzen kommt.

Blickpunkt Thurnau vom Freitag, 8. Mai 2020, Seite 11 (14 Views)

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